Mai 2

12. Aufgewachsen in Chemnitz und Karl-Marx-Stadt

 

Aufgewachsen in Chemnitz & Karl-Marx-Stadt – Die 40er und 50er Jahre

Früher war alles besser sagen die Alten. Sie sagten es damals schon, genauso wie sie es heute sagen. Denkt man an seine Kindheit zurück, verklärt sich vieles zum Guten, zum Glück. Die schlechten Tage waren karg, hatten gleichwohl ihre schönen Höhepunkte. Man kann es manchmal nicht an konkreten Dingen festmachen, kann sich kaum noch richtig entsinnen, weiß hingegen ganz genau, dass alles besser war, früher. Aber wann war eigentlich früher? Es wird dafür wohl keine Definition geben, keine Bestimmungen und auch kein Gesetz wird uns dies vorschreiben. Früher war gestern, war vergangenes Jahr und auch unsere Jugendjahre waren früher. Jeder Ort hat sein Früher, genau wie es jede Familie hat und selbst Maschinen kennen eines.

Mit den Erinnerungen ist das so eine Sache – sind es die eigenen? Oder stammen sie aus Erzählungen der Eltern und fühlen sich nur wie eigene an? Oder handelt es sich um ein Gemisch aus beidem?

In nichts unterscheidet sich Anfang der 40er Jahre das Leben in Chemnitz vom Leben in anderen deutschen Städten. Nach der Schule spielten die Kinder auf den Straßen, die meisten Väter sind im Krieg und den Müttern blieb die allumfassende Arbeit eines Haushalts in dem es an alltäglichen Dingen mangelte. Das Feindbild war klar strukturiert und ab und zu erhielt man Unterricht in Luftschutzangelegenheiten. Man wähnte den Krieg in der Ferne, bis sich die Alarme häuften und die Aufenthalte in den Kellern sich mehrten und eines Tages in unserer Innenstadt die Hölle ausbrach. Das waren Bilder, die niemand vergessen mag, ein kollektiver Schock. Kein Stein blieb auf dem anderen, Glas war nur noch Bruch und alles Brennbare fiel den Flammen zum Opfer, die mittlere Innenstadt zu 80 % zerstört. Die Amerikaner meldeten: Chemnitz ist eine tote Stadt.

Doch jedem Ende wohnt ein neuer Anfang. Es fehlte an allem. Allein die ersten Jahre nach dem Krieg waren voller Erwartungen. Kinder sehnten sich nach Schokolade und die Mütter hofften auf die baldige Wiederkehr ihrer Männer.

Die 4 Tage vor Kriegsbeginn eingeführten Lebensmittelmarken behielt man bis Ende der 50er Jahre bei. Ein probates Mittel, um den Hunger und die Nahrungsmittelknappheit gleichmäßig zu verteilen. Im Marmorpalast und im Adventshaus wurden Operetten von Johann Strauß und Komödien von Molière aufgeführt. In der Wiesenburg, in Bochmanns Ballhaus und in der „verruchten“ Tanzbar Libelle feierte man wieder Fasching. Seit Mai 1953 berichteten die Kinder in den Ferienlagern nicht ohne Stolz, dass sie aus Karl-Marx-Stadt kämen, was von so manchen Pensionseltern beargwöhnt wurde und nach längerem Überlegen antworteten diese darauf: Ach, aus Chemnitz meint ihr!

Lassen sie uns gemeinsam in Erinnerungen kramen und Denkwürdiges von Früher emporheben, denn trotz aller Widrigkeiten war man doch gerne Kind und Jugendlicher in einer Stadt, die heute ihren alten Namen wieder trägt.

Aufgewachsen in ...

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