Juni 11

KUNSToffen in Sachsen, Atelierhaus Kühnhaide, 8. Juni 2014

Das ist schon eine wirklich reife Leistung, was Jiri Tomkovic hier auf die Beine gestellt hat. KUNSToffen in Sachsen – allein der Titel sagt noch gar nichts über die Gedichte von Anke Grundeis und den Obertongesang von Jan Heinke. Wie sieht eigentlich ein Stahlcello aus? Neben diesen “Geheimtipps” waren ebenso der Multiinstrumentalist Mathis Stendike und meine Wenigkeit mit von der Partie. Alles zusammen war es eine ausgewogene Mischung aus Musik und Text, aus Klang und 20140608_182435Worten. Mir scheint, den Gästen hatte es gefallen. Eine Wiederholung scheint nicht ausgeschlossen, wie der Veranstalter durchblicken lies.

Neben den vielen aus Eigenproduktion stammenden Kuchen, gab es böhmische Speisen und mährische Weine. Es war auf eine ganz eigene Art eine grenzüberschreitende Erfahrung, nicht nur wegen der Speisen und Getränke, vielmehr war die Schwarze Pockau/die Cerna nicht weit. Ich schätze, dass es gerade einmal 30m waren, so dass alles Gesungene, Gesprochene und Musizierte über die (ehemaligen) Grenzen hinweg zu hören war.

Juni 3

Hof-Fest in Bohsdorf

Ja richtig! Als Fan und/oder Leser der Laden-Romane sollte man von Bossdom sprechen und nicht von Bohsdorf, erst recht als Mitglied des Strittmatter-Vereins. Aber ist es nicht meine Aufgabe, die Lausitz als Reiseziel zu multiplizieren? Teils, teils. Denn es war eher so, dass ich nach der Reise ins Strittmatter-Land die Lausitz als eine lohnenswerte Region entdeckt habe. Sozusagen auf dem zweiten Bildungsweg. So ist das Gebiet zumindest für mich eng mit der Biografie von Strittmatter und vor allem mit seinen Geschichten und Romanen verbunden.

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Ich erwähnte schon, dass es eine unheilbare Krankheit ist, die mich erfasst hatte und die mich bis heute fibrig umklammert. Umso mehr kann man die Besucher des Hof-Fests in Bohsdorf … Entschuldigung … in Bossdom als Leidensgenossen betrachten. Es ist ein großer Spaß, eine große Freude Erlebnisse auszutauschen, Wohnräume und Wirkungsstätten zu betrachten. An allen Orten schwebt Erwin im Hintergrund mit, bezaubert uns, verzaubert uns, kratzt sich vielleicht den kahlen Schädel. Diesen hatte er

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ja für gewöhnlich unter einem Schieber verborgen. Hier hängt die Kappe nun und wartet darauf betrachtet zu werden. Ich schrieb schon darüber in meinem ersten Buch Rhododendrongrüne Olivengedanken. Den Mantel schenkte er einmal seinem Bruder Heinjak (Heinrich), der hier noch bis zu seinem Tod im Jahre 2002 wohnte. Danach führte seine Tochter Ranghild das Erbe fort.

Seit jüngster Zeit gehört nun das gesamte Grundstück dem Verein. Und so konnte man am vergangenen Wochen die obere Etage bestaunen, ein wenig die Hoffnung in sich tragen, dass es der eben berührte Stuhl gewesen ist, auf dem der Roman Ochsenkutscher oder das Drama Katzgraben entstanden. Nicht einen Schritt, ohne die

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Gedanken auf irgendeine Art und Weise bei den Bildern zum Film zu haben. Nein, er entstand nicht hier, weil das Dorf viel zu modern gewesen war, als Jo Baier 1998 quasi das Leben von Erwin Strittmatter verfilm-en wollte. Im Übrigen war man sehr sehr skeptisch, als da der Münchner Regisseur seine Absich-

ten erklärte. Aber alles Misstrauen schwand, als dann die ersten Kontakte zwischen Baier und den Schauspielern zustande kam, so verriet es uns Carmen-Maja Antoni, als sie am Sonntag aus ihrer Biografie Texte las. Und sind wir mal ganz ehrlich! Wer den Film gesehen hat … wirklich ausgesprochen poetisch und – so möchte ich es als Jünger sagen – wirklich authentisch.

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Was bleibt nach so einem Wochenende? Die Hoffnungslosigkeit. Denn ich sehe keine Chance mehr auf Heilung. Das Strittmatter-Fieber bleibt, ich werde weiterhin damit leben müssen, ich werde weiter auf meinen Lesungen davon berichten und gelegentlich auf die hohe Ansteckungsgefahr verweisen.